RescueNet Ukraine

Mit RescueNet in die Ukraine.

Wie ich im letzten Rundbrief geschrieben hatte, waren wir als RescueNet-Team in einem Einsatz in der Ukraine, einige Kilometer außerhalb von Donezk. Es ist schon etwas bizarr: man fährt durch ein kleines Dorf, die Sonne scheint, Gemüse wächst in den Vorgärten, strahlend-blauer Himmel, goldgelbe Kornfelder (das ist übrigens die Bedeutung ihrer Flagge: Kornfelder und blauer Himmel). …und dann fährt man an einem zerbombten Haus vorbei und gleichzeitig hört man Geräusche von Explosionen und Schüsse im Hintergrund. Dann wird einem sofort wieder klar, dass die aktive Kampfzone nur 3-4 Kilometer weg ist…

Wir arbeitet dort mit einem kleinen, lokalen Verein, der wöchentlich Lebensmittelpakete und andere Hilfen an die Bedürftigsten verteilt. Die Menschen, die in denvDörfern zurückgeblieben sind (die Alten und Armen), haben kaum noch eine Perspektive. Die Hoffnung, dass der Krieg bald endet, haben sie schon lange aufgegeben. Wir führten jeden Tag Mobile Kliniken durch und eigentlich alle unserer Patienten waren im Alter von 60+ mit chronischen Krankheiten und Zeichen von Post-traumatischem Stress durch den langen Krieg. Sie leben von den Kartoffeln und etwas Gemüse aus ihrem Garten. Letztes Jahr wurde ihr Dorf angegriffen und man sieht immer noch Löcher von Granatsplittern an der Haustüre und im Wohnzimmer. Sie waren so dankbar für die Lebensmittel.

Kaum Perspektive, kaum Hoffnung. Und gerade dort hab ich einige der wohl mutigsten und stärksten Menschen kennengelernt. Z.B. trafen wir einen Pastor, aus dem aktiven Kampfgebiet in Donezk. Wegen ein paar Einkäufen und Bürokratie wohnte er für ein paar Tage bei uns. Er erzählte uns von der Lebensgefahr, die er dort schon so oft ausgesetzt war. Schon mehrmals hatte er gedacht, dass sein Leben gleich zu Ende sei… Doch wie er sagte: „Jedes mal hat Gott mich dann beschützt!“ Ja, er hätte die Möglichkeit dort weg zugehen, sich ein sicheres Leben in Kiew aufzubauen… „Aber wer kümmert sich dann um die Leute in Donezk?“ Er weiß, dass sein Platz und seine Berufung genau dort ist. Aber trotzdem hatte er mit sich zu kämpfen, als er wieder abreiste: Er hatte einen großen Sack Haferflocken in der Hand und mit Tränen in den Augen sagte er: „Es ist halt doch immer wieder schwierig zurück zu gehen.“ Und wir wussten, dass „zurück“ für ihn ebenso „Lebensgefahr“ bedeutete. So ein Gespräch bringt dann neue Perspektive auf die „Probleme“, die wir meinen zu haben…